Ich bin also kein Freelance-Texter mehr. Naja, das ist nur die halbe Wahrheit, denn auch zu meiner neuen Stelle gehört in gewissem Maße das Texten dazu, es macht aber im Vergleich zum Management-Anteil einen geringeren Anteil aus.

Und dann schreibe ich ja schon noch ab und an für Bestandskunden.

Warum aber habe ich die Freiheit der Selbständigkeit als Freelance-Texter aufgegeben, um in einer Agentur zu arbeiten? Das erfährst Du hier in diesem Beitrag.

Warum ich kein Freelance-Texter mehr bin | Foto: Austin Chan

Das war bestimmt zu viel finanzielle Unsicherheit? – Nö.

Wenn ich erzähle, dass ich in eine Festanstellung zurückgewechselt habe, denke viele zuerst, dass mir die Selbständigkeit mit zu viel finanzieller Unsicherheit verbunden war. Das ist aber gar nicht der Grund.

Ich bin in einer Familie von Selbständigen großgeworden. Finanziell unsicher war da eigentlich immer alles. Mit anderen Worten: Ich bin’s gewohnt. Und es ist auch nicht so, dass ich als Freelance-Texter von der Hand in den Mund gelebt habe – ich habe eigentlich ziemlich gut verdient, und hätte mehr verdienen können, wenn ich gewollt hätte.

Nein, das war gar nicht das Problem.

Das Problem bestand darin, dass das Texten für mich immer eine Tätigkeit unter vielen war, und meine eigentliche Leidenschaft immer eher den Künsten galt. Ich wollte Schriftstellerin, Schauspielerin, Theatermacherin werden, so ziemlich seit ich denken kann. Und ich habe all das auch nebenbei immer gemacht.

Nur sage ich auch ganz offen: Mit einer Selbständigkeit als Texter war das (für mich) nicht kompatibel.

 

Kein Schritt voran in der Kunst

So kam ich in den Jahren eigentlich kaum voran mit der schreibenden Kunst – aber auch mit keiner anderen.

Zunächst war das Texten die Nebentätigkeit zu einer Festanstellung in Teilzeit. Ich strebte die Selbständigkeit an, weil ich mir davon mehr Freiheit in der Zeiteinteilung versprach (die hatte ich auch tatsächlich – nur das ist nicht zwingend so viel wert, wie man immer so denkt). Also musste ich auch als Texter präsent sein, meinen Kundenstamm vergrößern, mich präsentieren. Da war wenig Zeit für Kunst nebenbei.

Dann war ich endlich selbständig – da musste ich natürlich um so mehr schreiben; und hatte keinerlei Lust am Buchstaben mehr, wenn die Tagesaufgaben abgearbeitet waren. Und auch für den Rest der kreativen Aktivitäten war kein Raum mehr. Ich wollte aber die Kunst natürlich auch nicht aufgeben. Also schuf ich mir auch dort Verbindlichkeiten, um mich zu zwingen, trotz der alles fressenden Selbstständigkeit als Texter noch zu schreiben und zu schauspielern. Freude hat mir am Ende aber nichts mehr bereitet: Was auch immer es war, es war nur eine weitere Tätigkeit auf einer langen, langen Liste.

Es gab viele, viele Dinge, die dazu beitrugen, dass die Selbständigkeit nicht das brachte, was ich mir erhofft hatte. Letztlich war es so, dass mir klar wurde, dass ich mit den künstlerischen Aktivitäten letztlich noch eine weitere Selbständigkeit parallel hätte „betreuen“ müssen – und das ging Konzept ging einfach nicht auf.

 

Freelance-Texter & keine Herausforderung mehr

Zu guter Letzt merkte ich aber auch nach fast acht Jahren Texting: Das reicht mir nicht mehr. Auch mein Broterwerb muss mir Spaß bringen und mich fordern. Tätigkeiten mit Gleichgültigkeit absitzen – das kann ich gar nicht.

Es gab im Bereich von Texting nichts mehr, was ich noch nicht gemacht hatte, aber unbedingt noch erreichen wollte. Wie also sollte es weitergehen?

Bevor ich mit dem Texten anfing, hatte ich schon als Projektmanager in sozialen Projekten gearbeitet. Der Bereich war nichts für mich. Management und Strategie hingegen, was bei sozialen Projekten natürlich auch ganz wichtig ist, fand ich an sich immer durchaus interessant. Und ich wollte weniger Werbetexte schreiben, damit in meinem Kopf wieder mehr Platz für literarische Ideen war. Tatsächlich hatte ich darum zunächst mit der Idee geliebäugelt, das Texter-Business gegen eine Selbständigkeit als Unternehmensberater einzutauschen.

Ich hatte auch bereits einige erste Schritte in diese Richtung in die Wege geleitet, als sich die Gelegenheit ergab, in einer Agentur als Content Manager einzusteigen.

Ich habe nicht lange gezögert.

 

Fazit: Wie sieht’s jetzt aus?

Es wäre natürlich gelogen, wenn ich behaupten wolle, dass ich nun Zeit in Hülle und Fülle für die Kunst habe. Und ich bin wohl der erste Mensch auf der Welt, der in die Agenturwelt hineinwechselt, um ein weniger stressvolles Leben zu haben. Tatsächlich ist es aber so.

Vorher habe ich etwa sechzig bis achtzig Stunden in der Woche gearbeitet. Alles, was ich „zum Spaß“ gemacht habe, war darüber hinaus. Weihnachten 2020 hatte ich zum ersten Mal Urlaub, in dem ich tatsächlich nichts tun musste, wofür ich irgend jemandem anders als mir selbst Rechenschaft schuldig gewesen wäre.

Zudem bin ich sehr froh, mich beruflich weiterentwickeln zu können. Ich bin kein Mensch der stehenbleibt. In dem Moment, wo ich etwas vollkommen beherrsche und mich nicht mehr weiterentwickeln kann (oder jedenfalls nicht in eine Richtung, die mich interessiert), fange ich an, mich zu langweilen. Wenn andere Menschen „im Leben ankommen“, komme ich um vor Langeweile.

Natürlich heißt das nicht, dass es so ganz easypeasy ist, neben einem 40-Stunden-Job noch eine Karriere als Künstler aufzubauen.

Es erfordert Disziplin. Aber das ist auch ganz okay so.

Ob’s klappt? Werden wir sehen.