„Content“ ist das Buzzword der letzten Jahre – und jeder hat so seine eigene Idee, wie guter Content aussieht. Vor allem werden überall und von jedem Texte – und natürlich auch anderer Content – gekauft. Und diese Texte fassen wir zusammen, sollen möglichst gut geschrieben sein, nahezu nichts kosten und natürlich jede Menge Mehrwert bieten.

Bevor ich in einigen Beiträgen etwas dazu schreiben möchte, wie gute Texte aussehen bzw. woran man sie erkennt, möchte ich mit zwei Beiträgen beginnen, die die grundsätzlichen Rahmenbedingungen für die Kooperation zwischen Auftraggebern und Textern abstecken. Warum?

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Ganz einfach: Gute Texte entstehen nicht in einem Vakuum. Sie stehen in einem sozialen und ökonomischen Kontext. Mit anderen Worten, es geht darum, das Menschen mit einander agieren – und es geht um Dienstleistung, die bezahlt wird. Wenn beides nicht stimmt, braucht man sich über die Feinheiten großartiger Texte eigentlich auch keine Gedanken zu machen. Daher vorab also zwei Beiträge dazu.

Diesen Beitrag, der sich hauptsächlich mit der Bezahlung der Dienstleistung „Texte schreiben“ befasst.

Und den nachfolgenden, der sich mit dem Vertrauensverhältnis von Auftraggeber und Texter befasst.

Dazu kann man natürlich noch viel, viel mehr sagen. Aber wir fangen einfach mal irgendwo an.

Vorab: Zum „neuen“ AKIWERSUM-Blog

Mit dem Relaunch der Website und einer kompletten Neuausrichtung startet auch der Blog neu. Im neuen AKIWERSUM-Blog wird es hauptsächlich darum gehen, wie man gute Texte kaufen kann, woran man sie erkennt – und grundsätzlich um den Text-Markt. Mir persönlich ist es dabei wichtig, in den Artikeln dieses Feld aus Perspektive der Texter wie auch der der Auftraggeber, der Unternehmen zu betrachten.

Ich bin selbst Texterin. Aber ich arbeite auch in einem Unternehmen und habe auch vor meiner Zeit bei Geschenke 24 als Projektmanager gearbeitet und mit einem Trägerverein, der soziale Projekte durchführt, quasi ein Unternehmen mit geführt. Ich kenne beide Seiten, und ich habe für beide Seiten Verständnis. Und das sollten auch die Beiträge hier reflektieren.

Perspektiven: Das kommt in den nächsten Wochen

Im März hielt ich auf der Contentixx in Berlin einen Vortrag zum Thema „Content muss klingen!“. Darin ging es, wie der Titel schon nahelegt, darum, wie man Texte schreiben muss, damit sie einen guten Klang haben, einfach gut fließen und den Leser damit auch emotional abholen.
Dies ist nicht nur für Texter interessant, die schönere, bessere Texte schreiben wollen. Es ist vor allem auch hilfreich für alle, die Texte kaufen. Denn wer selbst nicht der ultimative Texter ist, braucht irgendwelche Kriterien, um festzustellen, wie gut das Material ist, dass er von Textern bekommt.

Dafür gibt es gewisse Regeln (kurze Sätze, Aktiv statt Passiv etc.), deren Anwendung allein, wie ich in dem Vortrag versucht habe zu zeigen, aber eben leider auch noch keine guten Texte macht. Meine Tipps zielen darum auf die Intuition derjenigen ab, die Texte beurteilen, ab: Klingt der Text für mich gut? Wie man diese Intuition schärfen kann und welche Aspekte bei Texten für einen guten Klang sorgen, habe ich in 10 Tipps für guten Content dargestellt.

Diese 10 Tipps, die ich dort in einer guten halben Stunde präsentiert habe, möchte ich in den nächsten Wochen hier in meinem Blog noch einmal ausführlicher darstellen. Bevor ich dies aber tue, aber wie angekündigt, zwei Beiträge zu den Rahmenbedingungen.

Texte kaufen – zu welchem Preis?

Fragen wir uns nun also: Gute Texte kaufen – was kostet der Spaß? Einer wichtigsten Faktoren für das Schreiben guter Texte ist natürlich auch die Frage nach einer angemessenen Bezahlung. Es ist auch eines der in den sozialen Medien am hitzigsten diskutierten Themen. Und dazu muss nun auch ich hier meinen Senf abgeben.

1. Schreiben kostet Zeit. Und die will bezahlt werden.

Ein guter Texter kann einen 1000 Wörter umfassenden Artikel, der keinen größeren Rechercheaufwand erfordert, vielleicht in zwei bis drei Stunden relativ gemütlich schreiben und überarbeiten. Allerdings: Die meisten Texte erfordern einen gewissen Rechercheaufwand.

Das muss nicht unbedingt heißen, dass man sich in medizinische Fachliteratur einarbeiten muss, um den Stoff zu verarbeiten. Umfangreiche Briefings, Tabellen, in denen man Produkteigenschaften nachschlagen muss, etwaige WDF*IDF-Analyen und vieles andere sind ebenso enorme Zeitfresser.

Wenn Du also mal konservativ (!) rechnest, dass Dein Texter vier Stunden braucht, um einen Artikel von 1000 Wörtern zu produzieren, der dem Briefing entspricht, inhaltlich überzeugend ist und Mehrwert bietet und auch noch gut klingt, und Du zahlst ihm 1,8 Cent, dann ist sein Stundenlohn... genau, 4,50€.

Was wird der Texter also tun? Nun, wenn er irgendeinen ökonomischen Sachverstand hat, wird er entweder den Auftrag ablehnen oder in ein bis zwei Stunden irgendwas rauskloppen, was halt 1000 Wörter hat. Und das ist für Dich als Unternehmer nicht unbedingt hilfreich.

Ich werde später noch einmal in einem separaten Beitrag auf Preise für Texter eingehen. Hier möchte ich erst einmal generell empfehlen, Textern grundsätzlich nicht unter 5 ct pro Wort zu zahlen, wenn Du einen guten Text haben möchtest. Und das ist nicht viel. Gute Texter sollten Dir im Prinzip auch 25 oder gar 30 Cent wert sein.

2. Nicht jeder, der viel Geld verlangt ist gut – und vice versa.

Umgekehrt gilt natürlich auch, dass es Texter gibt, die gerne (wer wollte es ihnen verübeln) 20 Cent pro Wort haben möchten, aber leider nichts abliefern, was irgendwo in die Nähe eines guten Textes kommt.

Insofern: Der Preis sagt über die Qualität nicht immer etwas aus – und das gilt auch umgekehrt für Texter, die ihre Dienste sehr günstig anbieten. Aus meiner Erfahrung gibt es genau zwei Sorten Texter, die für sehr geringe Wortpreise schreiben: die, die eigentlich nichts können und die, die gerade anfangen und dringend ihren Kundenstamm aufbauen müssen. Und in letzterer Gruppe gibt es tatsächlich die eine oder andere Perle zu entdecken! Wer also nicht viel Geld ausgeben will, wird nicht umhinkommen, eine ganze Weile im Trüben zu fischen. Aber das kann sich schlussendlich auch lohnen.

3. Ich bin ein Start-Up und habe keine 5-10 Cent pro Wort.

Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten Monaten empörte Kommentare auf Facebook gelesen habe, die da so ungefähr lauten: „Und dann sagt der Typ, er sei ein Start-Up und kann nicht mehr als 3 Cent zahlen – was denkt der sich eigentlich?!“

Meine Gegenfrage (obwohl ich die, aus purer Unlust an social-medialen schriftlichen Schreiorgien, nie gestellt habe) lautet: Was denkst DU Dir eigentlich?

Leider herrscht bei Textern oft die Grundidee vor, dass sie selbst die große Kunst leisten, während die bösen, grundsätzlich reichen Unternehmer auf ihrer Kohle sitzen. Was irgendwie dann auch dezent an der Realität vorbeigeht.

Ich persönlich finde es grundsätzlich in Ordnung, für Start-Ups gelegentlich für einen geringeren Wortpreis zu arbeiten. Das hängt natürlich immer davon ab, was die allgemeinen Rahmenbedingungen im Einzelfall sind, wie die generelle Auftragslage ist und wieviel Zeit ich mir leisten kann, in schlechter bezahlte Projekte zu investieren. Ich selbst mache das (mittlerweile) grundsätzlich nur noch dann, wenn ich es als eine Investition in ein Unternehmen betrachten kann.

Das bedeutet, es gibt eine Perspektive für eine längerfristige Zusammenarbeit und eine regelmäßige Steigerung des Wortpreises. Dann ist es abhängig von meiner Einschätzung des Unternehmens und der Zuverlässigkeit des Unternehmers, ob ich mich darauf einlasse oder nicht. Da kann man als Texter natürlich auch mal eine Fehlinvestition unternehmen – aber das ist eben das Geschäft.

Grundsätzlich jedoch muss auch dem Texter klar sein, dass sein Auftraggeber nicht unbedingt unbegrenzte Mittel zur Verfügung hat, insbesondere, wenn es sich tatsächlich um ein Start-Up handelt. Ein gewisses Vertrauen in den Auftraggeber und ein gewisses Verständnis für die andere Seite sollte eigentlich selbstverständlich sein.

Das bedeutet aber auch, dass der Texter so planen muss, dass er dieselbe Zeit investiert, die er auch in einen gut zahlenden Kunden investiert – und nicht einfach schlechteren Content abliefert!

Fazit: Gute Texte kaufen - Was kostet der Spaß?

Gute Arbeit eines Texters will auch angemessen bezahlt werden. Und unter 5 Cent kann man von einer angemessenen Bezahlung auch nicht wirklich sprechen. Und es kommt auch meist nicht die entsprechende Arbeit dabei heraus, die sich der Auftraggeber wünscht. Aber: Nichts ist in Stein gemeißelt. Texter müssen auch Verständnis für die „Gegenseite“ aufbringen. Und der Rest ist ...Verhandlungssache. Und Vertrauenssache. Womit wir schon beim nächsten Thema wären.